Tag 36: Hiker Town

Meile 513 – 116.4

Da wir heute keine Eile hatten schliefen wir aus und standen erst gegen sieben Uhr auf. Wir frühstückten und brachen auf. Die drei Meilen nach Hikertown liefen abwärts entlang des Berghangs, wobei wir eine gute Aussicht auf die vor uns liegende Wüste hatten.

Als wir in Hikertown ankamen wurden wir von anderen Wanderern begrüßt, die uns eine kurze Einführung gaben. Die Kulisse war ziemlich skurril. Hikertown ist ein Hostel, das aus vielen kleinen Hütten besteht, die einer Wildwest-Stadt nachempfunden sind. Der Hausmeisters, bei dem man sich melden muss, schlief noch in der Sheriffshütte. Wir warteten, es war gar nicht so übel hier. Es gab Strom, eine Dusche, Eimer um Wäsche zu waschen und Schatten. Nach einiger Zeit kam Richard, der Besitzer vorbei. Er quatschte ein bisschen mit uns und klingelte den Hausmeister, Bob, raus.

Wenig später war Bob zur Stelle und schloss uns das „Postamt“ auf. Ich hatte mir eine Kappe gegen die Sonne hierher bestellt. Überrascht war ich, als an der Rückwand des Postamts zwölf Gewehre hingen. Von der Shotgun zur Halbautomatik war alles dabei, ich war froh als ich wieder vor der Tür stand.
Anschließend wurden wir zu Richards kleinem Supermarkt mitgenommen, der eine Meile den Highway entlang lag. Die Auswahl war nicht groß, die Preise erwartungsgemäß etwas höher und so waren wir froh hier nicht einkaufen zu müssen. Wir gönnten uns einen Burger, dessen Preis-Leistungsverhältnis unschlagbar war. Pommes und Burger waren super lecker und machten uns satt, was inzwischen nicht mehr so einfach ist. Während wir aßen verlor Arthur Dent im Fernsehen sein Haus, weil es Platz für eine Umgehungsstraße machen musste. Dann wurde die Erde von Vogonen gesprengt, weil sie Platz für eine Hyperraumumgehungsstraße machen musste. Eine Quintessenz des Films ist, dass man immer ein Handtuch dabei haben soll. Wir haben kein Handtuch dabei und sollten daher im Umgang mit Vogonen sehr vorsichtig sein.

Zurück in Hikertown schoben wir eine ruhige Kugel. Dann halfen wir Richard zwei Sofas umzuziehen. Dabei zeigte er uns seine privaten Hoverkraft-Rennstrecke. Er meinte die Wanderer hätten im letzten Jahr leider alle sechs Hoverkrafts kaputt gefahren. Zum Dank für die Umzugsaktion wurden wir später von ihm bekocht. Er hatte schon den ganzen Morgen erzählt nachher gäbe es „German Potatoes“ nach dem Rezept seiner Großmutter. Es handelte sich um Bratkartoffeln, da sie jedoch seit Stunden auf dem Herd standen hatten sie leider etwas Konsistenz eingebüßt. Wir waren aber glücklich und durften uns noch ein paar Hotdogwürstchen anbraten. Er meinte, wenn wir mal in LA wären, könnten wir ein bisschen mit seinem Ferrari fahren. Richard hat viel Geld in der Ölbranche verdient, war dann Speaker of the House unter Schwarzenegger und hat sich laut mehrerer Nachrichtenportale eine Schießerei mit einem Angestellten geliefert (beide haben überlebt). Er war auf jeden Fall sehr nett zu uns, tut viel für die lokale Community und hilft vielen Wanderern.

Am Nachmittag hatten wir eine interessante Unterhaltung mit einem Wanderer, der als hohes Tier Waffensysteme für das amerikanische Militär entwickelt hat. Es war interessant mal die Sichtweise eines Menschen zu hören, der Waffen-Lobby-nah argumentiert hat. Nach einem Abschieds-hot-dog ging es für uns gegen 17:30 Uhr wieder auf den Trail. Vor uns lag die Wüste.

Zufällige Artikel

  • Tag 51: Lone Pine

    Meile 735.5 – 745.3 Heute hatten wir trotz weniger Meilen einen vollen Terminplan. Wir starteten entspannt um 7 Uhr, nachdem wir das Frühstück mit dem bisher besten Ausblick meines Lebens gahabt haben. Der Wald war, wie in den letzten Tagen, auch heute geprägt von durch Waldbrände beschädigten Bäumen, deren Holz in verschiedenen Tönen wundervoll schimmerte….

  • 1/2 PCT – RÉSUMÉ

    Meilen 0 – 1263.5 Nachdem ich und Paul die erste Hälfte des PCT gelaufen sind ist es an der Zeit ein paar zusammenfassende Worte zu schreiben. Natur Landschaftlich haben uns diese 1200 Meilen sehr beeindruckt. Es gibt den Spruch „Every day a postcard!“, der die Ausblicke des PCTs gegenüber anderen Fernwanderwegen abgrenzt. Ich kann diesen…

  • Tag 57: Spiegel

    Meile 787.0 – 802.6 Wir standen pünktlich zur gewohnten Zeit auf. Der heutige Glen Pass sollte nicht allzu schwierig sein. Die ersten Meilen und Höhenmeter machten wir mit ein paar Müsliriegeln. Ich merkte jedoch, dass ich ein Frühstück brauchte. Mein Körper lief auf Sparflamme und ich musste mich sehr zusammen nehmen, um irgendwie mit Paul…

  • Road Trip

    San Francisco – Seattle Heute morgen hat uns Heike zum Flughafen gefahren, wo wir unseren Mietwagen abholten. Wir konnten uns einen SUV aussuchen und entschieden uns für einen blauen Hyundai, da er am geräumigsten war. Dann fuhren wir zurück und luden unser Zeug ein. Das dauerte länger als wir dachten, weil wir die Vorderräder der…

  • Tag 80: Townfood

    Meile 1164.4 – 1189.2 Heute gab es keine großartigen Veränderungen der Natur. Wir sind im Prinzip den gleichen Wanderweg gelaufen, wie die letzten Tage auch schon. Es ging teilweise auf steinigen Graten entlang, durch Blumenwiesen und Wälder. Langsam wird es langweilig. Vor allem in den bewaldeten Abschnitten. Da helfen gute Hörbücher, Podcasts und Musik. Ein…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.