Tag 54: Mount Whitney

4.421 Meter

Heute war ein großer Tag. Wir haben Mnt Withney bestiegen. Das ist mit 4421 Metern Höhe der höchste Berg der Vereinigten Staaten (außerhalb Alaskas). Auf ihm ist der höchste Wanderweg der USA und der Beginn des John Muir Trails, eines unglaublich schönen Wanderwegs durch die High Sierra, dem wir die nächsten paar hundert Meilen folgen werden, verortet. Unser „Basecamp“ liegt auf 3230 Metern. Da wir einige Höhenmeter vor uns hatten sind wir sehr früh aufgebrochen. Wir hatten Angst beim Abstieg in geschmolzenem Schnee gehen zu müssen und wollten daher den Sonnenaufgang auf dem Gipfel abpassen. Deshalb waren wir um Mitternacht auf den Beinen. Wir hatten die Rucksäcke schon am Abend gepackt und ließen das Zelt stehen, da wir später wieder kommen wollten und so einiges an Gewicht sparen konnten (z.B. konnten die schweren Bärenkanister und viel Essen da bleiben:-)). Wir flogen also den Trail entlang und genossen das geringe Gewicht auf unserem Rücken.

Der Sternenhimmel war unglaublich. Also nicht unglaublich wie hier so oft, sondern richtig abgefahren. Man konnte die Milchstraße sehen, alles war voll mit Sternen und ab und zu flog eine Sternschnuppe über den Himmel. Es gab so viele Sternschnuppen, dass mir bald die Wünsche ausgingen, so hab ich einfach von vorne angefangen – doppelt hält besser!

Wir liefen ein Tal hinauf, durchquerten dabei mehrere Meadows (sumpfige Wiesen), liefen jedoch hauptsächlich im Nadelwald. Nach und nach kamen wir an verschiedenen Seen vorbei und machten erste Erfahrungen mit sogenannten Sun Cups, bei denen es sich um ca 20 cm tiefe Löcher in Schneefeldern handelt zwischen denen nur schmale Stege Platz haben. Es ist sehr mühsam über sie hinweg zugehen und wir werden sicherlich keine Freunde.

Immer wieder sahen wir Stirnlampen weit über uns im Berg aufleuchten, wir waren also nicht die ersten.

Nach guten zwei Stunden machten wir eine Viertel Stunde Verschnaufpause. Paul hat inzwischen ein wenig herumexperimentiert wie man schöne Sternenfotos mit unserer Kamera machen kann und so entstanden ein paar unglaubliche Bilder, die in etwa die Wirklichkeit abbilden. Ich möchte betonen, dass das einfach nur eine Langzeitbelichtung ist, wir haben nichts nachbearbeitet. Leider war es ein wenig zu windig, weshalb die Bilder ein bisschen angewackelt sind.

Der Aufstieg zum Gipfel verlief problemlos. Es gab drei kleine Stellen, wo wir unsere Microspikes ausprobieren konnten. Wir haben viele der anderen Wanderer überholt und waren von der dünnen Luft sehr überrascht. Am Ende haben wir bei jedem Schritt zweimal atmen müssen. Als wir gegen viertel nach fünf am Grat entlang zum Gipfel liefen sahen wir durch mehrere Scharten wie durch Fenster den Sonnenaufgang. Er war unglaublich und übertraf alle bisherigen. Der ganze Horizont war orange und nach und nach wurden die gegenüber liegenden Berge golden angestrahlt.

Auf dem Gipfel gibt es eine Schutzhütte, die jedoch ziemlich heruntergekommen ist, z.B. liegen ca. 1,20 m Schnee in ihr.
Da es auf dem Gipfel verdammt kalt war, wir schätzen irgendwas zwischen -5 und -10°C, frühstückten wir schnell im Schlafsack eingeschlagen und verabschiedeten uns nach einer kleinen Fotosession und dem Eintrag ins Gipfelbuch um kurz nach sieben von den anderen Gipfelstürmern.

Der Rückweg war viel entspannter, ich fand es sehr angenehm besser atmen zu können und die kritischen Schneestellen waren noch gefroren.

Als wir gegen 11 Uhr am Guitar Lake ankamen (wir finden die Form erinnert eher an eine Schildkröte) entschlossen wir uns für eine ausgedehnte Mittagspause. Zunächst badeten wir im See, was ein sehr kurzes Vergnügen war, da Eisschollen darin schwammen. Dann ließen wir uns in der Sonne trocknen, wobei sich Paul einen Sonnenbrand zuzog, und aßen zu Mittag. Dabei wurden wir von zwei Murmeltieren streng überwacht. Eines wollte sogar etwas von unserem Essen abhaben und lies erst von uns ab, als wir es mehrmals vertrieben hatten.

In der Sonne sitzend planten wir unsere nächsten Etappen. Dabei fiel uns auf, dass wir für einen Tag zu wenig Essen dabei hatten. Dies lag daran, dass wir nur nach Meilen geplant hatten. Da vor uns jedoch einige Pässe liegen, die man nur morgens besteigen sollte ging diese Rechnung nicht auf.

Als wir wenig später bergab, zurück zum Zelt gingen kam uns Lalo, der JMTler vom Vortag entgegen. Er erzählte uns, dass er beschlossen hatte abzubrechen. Ihm ging es nicht so gut, weil eine Freundin auf einem Schneefeld abgerutscht sei und jetzt hätte er zu viel Angst. Er sah echt fertig aus, hatte aber beschlossen Mnt. Withney am nächsten Tag noch zu besteigen. Wir unterhielten uns ein bisschen mit ihm und gingen weiter. Dann rannte ich zurück und auf die Frage, ob er jetzt nicht zu viel Essen dabei hatte holte er zwei (!) Bärenkanister voller Essen aus dem Rucksack und meinte wir könnten uns bedienen. Wir nahmen das nötigste und kamen so am Abend in den Genuss unseres ersten Mountainhouse Meals, Spaghetti Bolognese, haltbar bis Dezember 2048. Ich hatte mehr erwartet, so ein gefriergetrocknetes Gericht kostet immerhin um die 10 $. Beim Kochen entschieden wir uns einen Tag mehr Zeit zu nehmen und lernten Luis (aus Rostock) und Steven (aus den USA) kennen. Außerdem führten wir einen Stellungskrieg mit den Chipmunks, die sich von nach ihnen geworfenen steinen nicht wirklich beeindrucken ließen.

Dann fielen wir um sechs Uhr völlig erledigt in den Schlaf.

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7 Kommentare

  1. Klingt genial, was ihr da erlebt habt. Schonnenaufgang auf 4400 m. Und was das Essen angeht: „The trail provides!“ 🙂
    Gruß Petra

  2. Hey Paul und Tim. Wir haben euch heute zum Sonora Pass mitgenommen und jetzt haben wir gerade gesehen, dass ihr eine Mütze bei uns im Auto liegen gelassen habt. Falls diese Mütze für euch einen ideellen Wert hat nehmen wir sie gerne mit nach Deutschland und schicken sie da an eure Familie. Gebt einfach Bescheid :-)) Euch weiterhin gutes Gelingen auf dem PCT! LG Charly und Jan

    1. Schön von euch zu hören, die Kappe hat keinerlei ideellen Wert für uns. Wir wünschen euch noch viel Spaß auf eurer Tour!!! Bald könnt ihr hier auch von euch lesen 😉

  3. Männer, ich freu mich mit. Was ihr erlebt bleibt unvergessen. So ein Tagebuch ist fein. So sehen wir, was wir hätten machen können und es arbeitet in uns, es noch zu tun.
    Und mehr zu tun, um die geniale Natur zu schützen. Es ist gut um den Planeten zu ziehen. Man versteht wie einzig er ist. Das Erlebte wird sich in künftigen Taten spiegeln.

    Meiner Freundin ist 1995 in NZ beim trampen eine Jacke mit Pass, Flugticket und viel Geld beim Aussteigen vom Rucksack gerutscht. Sunden später kamen die Autobesitzer zurück und haben uns gefunden.

    Alles findet sich. Wir wünschen euch Reiseglück !

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