Tag 9: Das Genie BEHERRSCHT das Chaos

…ein bisschen gras hilft auch…

Meile 109.5 – 126.9

Heute haben wir es uns herausgenommen, einmal auszuschlafen. Wir stellten uns nicht wie sonst unseren Wecker auf circa 6 Uhr, sondern schalteten ihn ganz aus 😮 Bedingt durch Helligkeit und die anderen Wanderer standen wir gegen acht auf. Zu dieser Zeit kam auch der Trailangel „cool breeze“ mit frischen Wassermelonen, Bananen und Trauben. Wir frühstückten Banane mit jeweils 2 Löffeln Nutella, eingewickelt in Wrap. Sehr delikat, energiereich und nur zu empfehlen! Man sieht, wir ernähren uns sehr ausgewogen. „cool breeze“ erzählte uns davon, dass es 17 Meilen weiter bei „Mikes Place“ am Abend BBQ, Hähnchen und Pizza gebe. Damit war unser Tagesziel gesetzt und wir fingen an zu packen.

„Walkie Talkie“ hatte gestern einen pack-shake-down gemacht. Dabei schaut man mit anderen Personen zusammen, was man an unnützem Gewicht dabei hat. Hierdurch hat sie unter anderem einen neuen Rucksack gekauft, überflüssige Kleidung rausgeworfen und so ihr Baseweight um ganze 2 Kilogramm senken können, was eine ganze Menge ist. Dies hat sie so sehr angefixt, dass sie heute Morgen am Essen sortieren war. Dabei ist ihr 500 Gramm Glas Peanutbutter durchs Raster gefallen, das wir dann zum kostenlosen Auffüllen unseres kleineren Glases nutzen konnten.
Später auf dem Trail überlegte „Walkie Talkie“ dann noch, ob sie nicht stoveless, also ohne Kocher, weiterwandern solle. Wir redeten es ihr jedoch aus.

Tim kaufte sich anschließend neue Schuhe, seine alten waren ihm zu klein geworden. Auf dem Parkplatz des Community Centers hat sich ein kleiner Outdoorladen mit Wohnwagen postiert, bei dem man für normale Preise seine Ausrüstung updaten und zu guter Musik aus dem letzten Jahrtausend tanzen kann.

Gegen 10 Uhr haben wir es dann endlich geschafft loszuwandern, drehten aber gleich darauf wieder um. Wir hatten das Wasser vergessen.

Die 17 Meilen gingen größten Teils bergauf. Die Natur hat sich auf diesem Abschnitt von verschiedensten Seiten gezeigt. Jedoch immer von ihrer guten. Wir kamen durch bewaldete, verbuschte und steppenartige Bereiche, durch sehr felsige und durch abgebrannte Gebiete. Hierbei hatten wir unseren dritten Überflug durch Jets. Diesmal jedoch über uns.

Zum Mittagessen gab es Wrap mit Nutella, Erdnussbutter, Salz-Karamell Schokolade und Trailmix. Auch sehr lecker und ausgewogen wie immer. 😀
Wir spielten eine Runde Hacky Sack, wenn man das spielen nennen kann. Wir versuchen, es bis zum Ende des Trails einigermaßen zu können.

Im Anschluss an die ausgedehnte Mittagspause holten wir wieder alle Wanderer ein, die uns bei unserer Rast überholt hatten.
Bedingt durch unseren späten Wanderstart mussten wir uns ziemlich beeilen, um noch rechtzeitig zum BBQ zu kommen. Die letzten beiden Meilen liefen wir wieder mit „Walkie-Talkie“.

Das Erscheinungsbild von Mikes Place traf uns unerwartet hart. Wie viel unnützes Zeug auf großem Raum rumliegen kann… Unglaublich. Vom Hufeisen über kaputte Campingstühle und alte Surfbretter bis hin zu Autos. Es war alles dabei.
Mike selbst war ein kräftiger Amerikaner, der zwei Spendentöpfe hatte. Einen für Bier und einen für Gras. So war er auch drauf.

Zu unserer Enttäuschung gab es kein BBQ, sondern nur Pizza und Hähnchen. Das erste Hähnchen war wohl schon vor unserer Ankunft unter die Leute gekommen, die Pizzen waren aber sehr lecker und nicht auf amerikanische Art, sondern ausgewogen belegt. Der Steinofen hatte seinen Job ausgezeichnet erledigt. Anschließend hielt walkie-talkie eine Yoga Stunde, die uns positiv überrascht hat. Später stellte sich heraus, dass Walkie-Talkie ihren Bachelor in Biochemie gemacht hat, dann eine Ausbildung zur Heilpraktikern o.ä. und arbeitet jetzt als Yoga-Lehrerin. Der PCT ist definitiv ein Sammelbecken für Menschen mit spannenden Lebensläufen. Dann gab es eine zweite Runde Hähnchen.

Auch „cool breeze“, der Trail-angel aus Warner Springs, war wieder am Start. Diesmal jedoch sehr angetrunken und dadurch noch herzlicher.

Als es kühl wurde, hat Mike allen Abfall, der sich im Laufe der letzten Tage angesammelt hatte (Papier und Plastik), in einer großen Trommel angezündet. Als es nicht direkt gut brannte, holte er zwei Kellen des Hähnchenfettes und kippte es drüber. Sehr skurril. Wir verzogen uns dann zeitig in den Schlafsack, da uns nicht nach Plastikrauch war und auch die angebotene Bong des „Cowboys“ vom Vortag (er hat das Foto am Eagle Rock gemacht) nicht sehr verlockend erschien.

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