Tag 56: Forester Pass

Meile 777.0 – 787.0

Heute war ein besonderer Tag. Wir bezwangen den höchsten Punkt auf dem PCT. Der Forester Pass ist gefürchtet, weil man kurz vor dem Pass durch ein etwa zehn Meter langes ziemlich steiles Schneefeld gehen muss. Viele Leute haben uns gewarnt und meinten es wäre total gefährlich.

Wir standen also um halb fünf auf und waren froh, dass wir am Vortag etwas den Berg hoch gegangen waren und nicht im Tal gecampt hatten. Zum Frühstück teilten wir uns drei Cliffbars, die wir von Lalo bekommen hatten. Dann machten wir uns an den Aufstieg über die gefrorenen Sun Cups. Wir waren froh Microspikes zu haben und der Aufstieg war eigentlich ganz leicht. Zwischendurch verloren wir den Trail und gingen einfach gerade bergauf. Es war angenehm mal keine Serpentinen schräg am Berg laufen zu müssen.

Als ich mich umdrehte verschlug es mir den Atem. Der Ausblick war unglaublich schön und langsam ging die Sonne auf, dabei strahlte sie die Berge an. Für diese Momente bin ich hier draußen, denn dann bin ich in der Gegenwart und mein Kopf ist leer.

Als wir an das gefährliche Stück kamen stellte es sich als total harmlos heraus. Es gab super tief ausgetretene Spuren und wir konnten einfach zur anderen Seite des Schneefeldes gehen. Ich glaube jemand mit Höhenangst hätte seine Probleme gehabt, aber ansonsten musste man sich da echt keine Sorgen machen.

Als wir oben ankamen hatten wir einen super Blick in beide Richtungen. Besonders hat mich der Blick nach Norden beeindruckt, weil die vor uns liegenden Berge sehr scharfkantig waren. Wir konnten ein großes verschneites Tal bewundern, dass einen interessanten Abstieg versprach.

Nach einer kleine Fotosession, als wir gerade aufbrechen wollten, kamen Luis und Steven, die ein wahnsinniges Tempo an den Tag legten. Sie wollten wie wir heute noch den nächsten Pass machen, kamen jedoch aus dem Tal und hatten am Tag zuvor Whitney gemacht.

Der Abstieg war sehr schön und wir gratulierten uns, dass wir die Route über den Bergkamm genommen hatten und nicht weiter unten im Schneefeld liefen. Murmeltiere und Ausblicke hinter jedem Felsen. Hier sahen wir die tiefsten Sun Cups unserer Wanderung und waren froh, dass wir nicht die ersten waren und in den Spuren anderer Wanderer gehen konnten.

Beim Abstieg verloren wir den Weg unter dem Schnee, dafür trafen wir Graybeard, Redbeard und Bronko wieder. Zurück auf den Weg zu finden stellte sich als sehr anspruchsvoll heraus. Das Problem war, dass wir über Schnee laufen mussten, der schon am schmelzen war. Das ist körperlich sehr anstrengend, weil man oft einbricht. Was mich aber geschafft hat war die ständig erforderliche Konzentration. Wenn man einen Schritt setzt weiß man nicht, ob man einbricht, der Schnee plötzlich total hart ist, oder man in irgendeine Richtung weg rutscht oder umknickt.

Als wir langsam unter die Schneegrenze kamen ist uns ein Vater mit ca. zehnjährigem Sohn entgegen gekommen. Sehr beeindruckend und mutig, finde ich.
Dann mussten wir einen ziemlich reißenden Fluss queren. Zum Glück lag ein Baumstamm quer. Ein kleiner Ast, den ich übersehen hatte ritzte mir beim balancieren das Bein auf. Die erste Verletzung der Wanderung musste aber nicht versorgt werden.

Im Tal angekommen machten wir zum Mittagessen das Abendessen, das wir von Megan und Brian bekommen hatten. Ein Reh gesellte sich zu uns. Wir beschlossen den nächsten Pass morgen zu machen, weil wir Angst hatten dort oben keinen schneefreien Platz zum nächtigen zu finden.
Daher bauten wir das Zelt auf, trockneten die Schlafsäcke und machten ein Nickerchen. Bald darauf gesellten sich Megan und Brian zu uns und wir hatten einen sehr angenehmen Nachmittag und Abend.
Unser Schlafplatz war cool, ein Baum war zwischen zwei andere umgefallen. Guckt euch das Bild an!

Wir haben heute den ersten und höchsten Pass des PCT bezwungen. Es war das erste mal richtig verschneit und der Forester Pass gab uns einen guten Vorgeschmack auf die folgenden Wochen. Forester Pass ist zwar der höchste, nicht aber der schwierigste Pass. Es bleibt also spannend.

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