Tag 28: Cowboy Camping

Meile 392.1 – 413.0

Die Nacht war sternenklar und durch die Bäume am Campingplatz wehte nur eine leichte Briese. Durch den heißen Vortag wurde es auch nicht sonderlich kalt, sodass unsere erste Cowboy-Camping Erfahrung ein voller Erfolg war. Nachts die Augen zu öffnen und die volle Pracht der Sterne zwischen den Baumwipfeln unserer Lichtung zu erblicken ist einfach grandios. Wir schliefen gut und als um halb sechs der Wecker vibrierte packten wir leise unsere Sachen zusammen, um Ben nicht zu wecken. Er schlief in seinem Zelt direkt neben uns und wollte erst um sechs oder halb sieben aufstehen. Früher oder später würde er uns sowieso einholen, da er ein um einiges höheres Tempo drauf hat. Wir verfolgten wieder unsere Methode des Frühstückens beim wandern und kamen kurze Zeit später zurück auf den PCT. Damit hatten wir das wegen Fröschen gesperrte Stück hinter uns gelassen. Ab heute sollte es die nächsten 65 Meilen größtenteils nur bergab gehen, was eine gute Abwechslung zu den letzten Tagen darstellte. Mount Baden Powell und der Aufstieg nach Wrightwood saßen mir noch ziemlich in den Knochen.

Der Tag begann jedoch ziemlich bald mit einem sechs Meilen langen Anstieg zurück zum Highway, der uns von gestern noch allzu bekannt war.
Am Fuße des Aufstiegs holte uns Ben ein und legte ein beeindruckendes Tempo an den Tag, dem wir nur knapp folgen konnten. Es was aber genau das Richtige, was ich jetzt brauchte, um diese Etappe gut zu bewältigen.

Nun aber ging es die nächsten neun Meilen ausschließlich bergab. Hierbei überschritten wir die 400-Meilen Marke, was 640 Kilometern gleichkommt. Wir wollten eigentlich mit Ben gegen halb zwölf Mittagspause am nächsten Bach machen, um uns mit kühlem Wasser und Schatten abzukühlen. Als wir jedoch zur Wasserstelle kamen, war diese nur ein Rinnsal mit sehr vielen Kaulquappen in ihr und ohne Schatten. Wir beschlossen, dass unser Wasser noch bis zur nächsten Quelle ausreichte und suchten nach einer schattigen Stelle für unsere Mittagspause.
Eine Meile weiter beschlossen wir den Schatten eines Baumes, der auf den Weg geworfen wurde zu nutzen und breiteten uns quer über dem Trail aus.

Ben zog nach einer Stunde Pause weiter, da es ihm keine Ruhe lies, kein Wasser zur Hand zu haben. Wir pausierten noch bis halb drei. Heute hatten wir bis zum Mittag bereits 16 Meilen zurückgelegt. Unser bisher bester Vormittag.
Später kamen wir an der Quelle vorbei, füllten wieder unsere Vorräte auf, sodass wir genug Wasser für den Abend und den nächsten Morgen hatten und legten noch die restlichem Meilen zu unserem Zeltplatz zurück. Heute morgen hatten wir mit Ben beschlossen, 21 Meilen zu gehen. Er hatte sich wohl weiter tragen lassen und so hatten wir den Abend nur zu zweit.

Als ich später auf Toilette musste, erklomm ich den nahegelegen Hügel. Von dort aus konnte ich noch den Sonnenuntergang und die letzten Strahlen des Tages bewundern. Was ich aber gar nicht erwartet hatte, waren zwei Rehe, die auf meinem Rückweg zum Camp hochschreckten und in hohen Sprüngen davon sausten. Ich habe mich vermutlich fast mehr erscheckt als sie.
Bevor wir uns schlafen legten machten wir noch das Frühstück für den nächsten Morgen. Heute war Bob mal wieder an der Reihe.

Zufällige Artikel

  • Tag 35: 500 Meilen

    Meile 478.2 – 513 Als wir gewohnt früh aufstanden dämmerte es gerade. Wir liefen ein paar Meilen und machten dann Frühstückspause an einer unbefestigten Straße, die wir kreuzten. Während wir aßen kamen Jucy und Data vorbei, die am Vortag mit uns in der Höhle waren und zwei AT Veteranen sind. Der Appalachian Trail, kurz AT,…

  • National Trust for Scotland

    Cape Wrath Trail, Tag 6Shiel Bridge -> Coire Fionnaraich Ich wache von selbst gegen halb 7 auf und kann nicht mehr weiter schlafen. Die Nacht war gut und ich fühle mich ausgeruht, sogar obwohl unsere beiden Zimmergenossen schnarchen.Leise ziehe ich mir etwas über und gehe runter in die Küche des Youth Hostels, setze mir einen…

  • Der PCT

    Der Pacific Crest Trail (PCT, engl. für Pazifischer-Gipfel-Weg)  ist einer der drei großen amerikanischen Fernwanderwege. Er kann zu Fuß oder mit dem Pferd begangen werden und führt von der amerikanisch-mexikanischen Grenze (Campo) bis zur amerikanisch-kanadischen Grenze (Manning Park). Der PCT ist ca. 4200 km lang und durchquert die Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington. Das entspricht in etwa…

  • Tag 67: Tim schwimmt

    Meile 948.3 – 972.8 Mal wieder von Mücken geplagt packten wir, nachdem es im Zelt Müsli zum Frühstück gegeben hatte, Bob zusammen und machten uns auf. Wir hatten 24 Meilen für den Tag geplant, das Terrain machte es heute jedoch auch entspannt möglich. Es ging die meiste Zeit seicht bergauf. Beim Wasser filtern traf ich…

  • Regenbogen

    Cape Wrath Trail, Tag 7Strathcarron -> Kinlochewe Ich stehe in strömendem Regen. Dicke Tropfen prasseln auf meine Regenjacke. Meine Ärmel sind feucht vom Schweiß, trotzdem bekomme ich das dicke Grinsen nicht mehr von meinem Gesicht weil ich mich in diesem Moment so frei und sich mein Leben so stimmig anfühlt wie schon lange nicht mehr….

  • „What’s Poppin“

    (Not the) West Highland Way, Tag 4Loch Lomond Den Wecker brauche ich mittlerweile gar nicht mehr. Ich wache meistens um 5 oder halb sechs das erste Mal auf weil ich ausgeschlafen bin und kann mich dann nochmal umdrehen und ein bisschen extra Schlaf genießen, bis wir uns gegen sechs Uhr ans Frühstück machen. Wir frühstücken…

3 Kommentare

  1. Guten Morgen Ihr zwei,
    Ich habe mal auf der Karte geschaut, wo Ihr gerade seid, und bin sehr beeindruckt, dass Ihr schon die Höhe von LA habt – trotz Wetterkapriolen. Am Wochenende haben wir ganz viel an Euch gedacht und über Euch gesprochen. Nach acht Kilometern waren wir alle recht müde vom Laufen. Und Ihr macht 20 Meilen! Wahnsinn!
    Die Bilder sind toll! Vor allem das Teilstück über den Wolken fand ich klasse.
    Euch einen schönen Tag!

    1. Wir sind auch ganz erstaunt, wie schnell die Meilen mittlerweile an uns vorbei fliegen.
      Acht Kilometer an solch eh schon trubeligen Tagen mit der ganzen Truppe sind aber auch ziemlich gut! Wir haben auch an euch gedacht und euch vermisst und freuen uns schon auf das nächste Mal 🙂
      Meine bisherigen Lieblingsmomente sind auch die Zeiten über der Wolkendecke und tolle Sonnenuntergänge, wo die Beiträge zu noch kommen werden.

  2. Dank Jim und Jim (alle verfolgen Eure Berichte mit grossem Interesse und sind voller Bewunderung!) habe ich gemerkt, dass es von neuen Abenteuern zu lesen gibt. Danke fuer die tollen Beschreibungen und Bilder! Manchmal muss ich laut auflachen, haeufiger bin ich still vor Bewunderung, und immer bin ich froh darueber, wie Ihr alles so gut bewaeltigt und dabei anscheinend viel Spass habt und Euren Horizont maechtig erweitert! Die Distanzen sind ja beachtlich, echte „trail legs“. Wuensche Euch noch viele Gelegenheiten zum Cowboy Camping! Und wenn Ihr wegen Schnees erst einmal weiter noerdlich wandern solltet, hat das den Vorteil, dass wir uns vielleicht doch noch treffen koennen!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.