Tag 26: Mit Apfelkuchen auf dem Trail
Meile Wrightwood – 369.3 – 374.0
Als wir morgens zur Feier des Tages etwas länger schliefen und in einem echten Bett aufwachten war ich glücklich. Mir macht es zwar nichts aus auf dem Boden zu schlafen, aber eine weiche Matratze ab und zu hat auch etwas für sich. Nach einer Dusche war meine Laune super und der Tag konnte kommen. Wir frühstückten Honigpops mit Milch. Dann nutzten wir noch eine Weile das schnelle Internet um Bilder für die Website hochzuladen und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Outdoorladen, der in Wrightwood so etwas wie der inoffizielle Treffpunkt der Wanderer ist. Während Paul zwei Blogbeiträge für die Website fertig machte ging ich Vorräte kaufen. Dann haben wir uns einige Dinge aus dem Outdoorladen besorgt: einen Windschutz für unseren Kocher, Gas, Socken für Paul und Tyvek-Unterlegplanen zum Biwakieren Amerikaner sagen Cowboy-Campen, was einfaches Schlafen unterm Sternenhimmel ohne Zelt beschreibt. Eine Gaskartusche gab es für einen Cent dazu, weil wir PCT-Hiker sind und viel geld ausgegeben hatten. Außerdem haben wir eine Anstecknadel mit dem PCT-Logo geschenkt bekommen und wir haben uns ins Trailregister eingetragen.
Zum Mittagessen gab es ein Grillhähnchen mit Senf, Brot und einer langen Unterhaltung mit dem Ex-Marine „Semper Gumby“ und einigen anderen Wanderern.
Anschließend sind wir wieder in den Aufenthaltsbereich des Outdoorladens zurück gegangen, weil dort Schatten war. Mir ist von dort ein Wanderer in Erinnerung, der mich gefragt hat, ob ich sein altes Gras haben möchte. Als ich dankend abgelehnt habe hat er es in die Hikerbox gelegt. In Kalifornien ist Cannabis seit dem 1. Januar diesen Jahres legal.

Gegen drei Uhr haben wir uns an die Straße gestellt und den Daumen rausgestreckt. Es hat niemand gehalten, wobei man zugeben muss, dass es bis zum Trail auch mehrere Meilen waren. Wir hatten gerade aufgegeben, als eine Gärtnerin anhielt und fragte in welche Richtung wir fahren wollten. Maria aus Mexico hat uns dann zum Trail gefahren, total nett. Sie hat einen Sohn in unserem Alter, der bei der Army ist und sogar schon mal in Deutschland war. Sie meinte sie würde gerne französisch lernen und hat sich glaube ich gefreut in ihrer Mittagspause jemanden zum Quatschen zu haben.
Nach ein paar ereignislosen Meilen mit schönem Ausblick zelteten wir hinter einer dicken Schranke an einem Parkplatz zu Füßen von Mt. Baden-Powell, den wir morgen Früh erklimmen werden. Zum Abendbrot gab es Apfelkuchen, den ich aus Weightwood mitgeschleppt hatte. Dieser war jedoch eine willkommene Abwechslung zu dem sonst fast täglichen Tüten-Kartoffelbrei und erinnerte Paul sehr an Uni-Alltag mit regelmäßigem Zwischenstopp im Bistro für eine Kuchenpause.

Der Sonnenuntergang war unglaublich, leider konnte meine Handykamera da nicht mithalten. Aber die angestrahlten Berge und Wolken auf der anderen Seite des Sattels habe ich eingefangen. Nachts konnte ein atemberaubender Sternenhimmel bewundert werden.








