Bob nach 2000km PCT – Fazit unsres DIY zeltes

POST-TRAIL: FAZIT ZU BOB, UNSEREM ZELT

Falls du es nicht weißt: Das Zelt hat auf dem Pacific Crest Trail einen Namen bekommen.
Bob the Steelcut Tent

Nun sind wir über Zweitausend Kilometer mit Bob unterwegs gewesen. Haben knapp drei Monate in ihm geschlafen. Wie hat Bob durchgehalten? Hat er Funktionale Fehler? Was würde ich anders machen bei einem neuen Zelt?

Ich bin tatsächlich sehr positiv von Bob überrascht. Als wir uns eingespielt hatten gab es keine größeren Probleme mehr. Durch das viele Fliegennetz ist es auch an sehr heißen Nächten noch der Situation entsprechend angenehm ventiliert geblieben und auch bei wenig Wind merkt man ein leichtes Lüftchen. Vorausgesetzt natürlich, die Türen sind offen und das Kopf-/Fußende ist nicht bis auf den Boden abgespannt.

Sollte eine kühle und/oder windige Nacht bevorstehen, ist dies auch kein großes Problem. Die Türen können bis fast an den Boden Abgespannt werden und die Abspannseile an den Stirnseiten tun ihren Job. Sollte der Wind direkt auf eine Stirnseite fegen, haben wir gemerkt, dass der Abspannpunkt etwas zu tief ist. Dadurch wird das Dach doch relativ weit eingedrückt. Beim ZPacks Duplex ist gut erkennbar, dass die Abspannung höher angesetzt ist, was auch besser funktioniert.

Wo ich nicht mit gerechnet hatte, war wie stretchy Silnylon ist. Das Dach kann sich bei Wind sehr dehnen. Die Breite unseres Zeltes hat es nicht besser gemacht und somit mussten wir bei Wind überlegen, wo der Kopf liegt und auf welcher Seite die Füße, damit das Dach nicht aufs Gesicht gedrückt wird. Hauptursache ist auch hier der zu niedrig angesetzte Abspannpunkt.

Für Winter und sehr kalte Umgebungen ist Bob nicht gebaut und das merkt man auch. Wir haben teilweise bei Temperaturen um den Gefrierpunkt geschlafen und in solchen Nächten hatten wir einen sehr unruhigen und nicht erholsamen Schlaf. Im Zelt existiert eben fast kein stehendes Luftvolumen, das sich aufheizen kann. Durch die Ventilation wird wärmere Luft weggetragen und die verbleibende Wärme tritt durch das einwandige Dach nach Außen. Ich würde Bob als 3-Saison Zelt einstufen.

Es ist immer wieder erstaunlich gewesen, wie schnell und einfach es nach etwas Übung wurde, Bob auf und ab zu bauen. Zum Ende hin waren wir soweit eingespielt, dass wir das Zelt schätzungsweise in weniger als einer Minute abgebaut und fertig im Packsack hatten. Den Packsack hatte ich aus noch übrigem Dachstoff genäht.

Zu Beginn der Wanderung hatten wir mit ein paar kalten Nächten zu kämpfen, an denen uns Kondenswasser ins Gesicht und auf die Schlafsäcke getropft war. (Siehe dazu Tag 4: How2Sleep)
Dies bekamen wir in den Griff, indem wir die Wanderstöcke etwas höher einstellten. Durch das so steilere Dach ist das Kondenswasser wie vorgesehen am Dach herunter gelaufen und außen abgetropft. Leider hatte ich die Türen logischerweise für eine geringere Dachschräge konzipiert. Deshalb ist es seitdem schwerer, die Türen straff abzuspannen. Wenn ich mit einer höheren Dachschräge geplant hätte wär das kein Problem.

Der nächste Punkt betrifft den CAT-Cut (engl: Catenary Cut). Beim CAT-Cut Rundet man Kanten, die Abgespannt werden sollen nach innen an. Durch die in Form einer durchhängenden Kette angerundeten Nähte lässt sich eine Stofffläche besser spannen und wirft unerwünschten Falten oder Wellen. Gut zu sehen ist diese Rundung beispielsweise in Bild 4 der Fotogalerie oben. Den CAT-Cut habe ich bei allen sechs Außenkanten und den Türöffnungen angewendet und er hat auch super funktioniert.
Einziges Manko ist der Dachfirst. Der hätte es benötigt. Durch Morgentau dehnt sich der Stoff des Daches und damit wird der First länger, er hängt durch und das Zelt wird instabil. Ein CAT-Cut hält die Spannung trotz der Dehnung aufrecht.
Gelöst haben wir das Problem für uns, indem wir Steine gegen die Abspannseile des Firstes gelehnt haben. Sie haben das Zelt sozusagen passiv „nachgespannt“. 

Der mit 300 Denier sehr robuste Boden ist auf jeden Fall ein Plus. Wir mussten uns nie Gedanken über irgendwelche spitzen Steine machen, die eventuell den Boden durchbohren. Das „Fegen“ des Zeltplatzes war somit nur für unseren Komfort, dass kein Tannenzapfen bein Schlafen stört. Auch haben wir uns einen Footprint gespart, ein Stück Plane um den Zeltboden zu schonen und schützen. An den Seiten der Bodenwanne befinden sich kleine Taschen aus Netz, die sehr angenehm sind, um kleine Dinge wie Ohrenstöpsel oder die Brille zu lagern.

Auf die kleinen Laschen, die ich von innen in den Dachfirst integriert habe , möchte ich auch nicht verzichten. Es ist praktisch, einfach eine Stirnlampe dort aufhängen zu können oder auch andere kleine Dinge. Auch eine Nutzung als Wäscheleine ist denkbar. 

 

In Bezug auf den PCT würden wir nicht noch einmal mit einem nicht selbst stehenden Zelt los ziehen. Immer Hering-festen Boden oder dicke Steine finden zu müssen um das Zelt aufbauen zu können war teilweise etwas schwer und schränkt einen natürlich auch in der Schlafplatzauswahl ein. Auf dem PCT ist viel sandiger und steiniger Boden, was nicht gerade ideal für Heringe ist. Daher ginge unser Griff bei einer erneuten PCT Wanderung zu einem selbst stehenden Zelt.

Nach über 2000 Kilometern Wanderung und drei Monaten täglicher Benutzung habe ich Bob lieben gelernt. Es gab in der ganzen Zeit keine Probleme mit Löchern in Boden, Dach oder Netz und Bob steht da wie eine Eins. Klar gibt es hier und da ein paar Macken, aber die hat doch jeder und gerade solche Besonderheiten machen ihn aus. Er ist eben kein Zelt von der Stange und es war ein ständiger Lernprozess während des Nähens. Mit den Fehlern die das Zelt hat kann man gut leben. Als erstes Nähprojekt würde ich sagen, es ist mir doch ziemlich gut geglückt und ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir Bob bis zum Ende unserer Wanderung bei uns haben.

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Projekt: Zelt – Teil 1
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4 Kommentare

  1. Hut ab vor euren handwerklichen Fähigkeiten. Da haben sich die vielen Gedanken und Stunden Einsatz bei der Anfertigung gelohnt und Bob ist mit seinen Ecken und gerundeten Kanten genauso eine Persönlichkeit wie ihr.

  2. Mir war gar nicht klar gewesen, welch zahlreiche Ueberlegungen in die Konstruktion eines Zeltes gehen. Toll gemacht! Ich hoffe, Ihr habt wieder einmal Gelegenheit, Bob zu benutzen!

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