Fort William

(Not the) West Highland Way, Tag 10
Fort William

Der Morgen am Fluss ist kalt und wir beschließen, die Zelte zusammen zu packen und auf dem Weg zu frühstücken wenn uns wärmer ist.
Es ist nicht mehr weit bis nach Fort William. Dort Endet der West Highland Way und somit auch die erste Etappe unserer Schottlandreise.

Auf der Hälfte nach Fort William machen wir eine kurze Frühstückspause am Rand des Flusses mit Ausblick auf die umliegenden Berge. Das Wetter ist gut, am Himmel sind fast keine Wolken zu sehen.

Obgleich wir gerade einmal ein paar Kilometer hinter uns gebracht haben, haben uns diese doch schon wieder mehrfach zum schmunzeln gebracht. Der Weg führte zwischen dem Fluss zur Linken und umzäunten Wiesen zu unserer Rechten entlang. Auf den Wiesen grasten entspannte Schafe, die einige ganz süße Kleine Lämmer bei sich hatten.
Doch wie heißt es so schön: „Woanders ist das Gras immer grüner.“ Diesem Motto hatten sich auch drei Schafe verschrieben und beschlossen, auf den fünf Metern zwischen Weide und Fluss grasen zu wollen. Das Problem, das sie nun hatten war offenbar, dass sich das Loch im Zaun hinter uns befand und wir sie somit von ihrem Fluchtweg abgeschlossen hatten. Zuerst liefen sie vor uns her, bis sie nicht mehr weiter kamen. Scheinbar ist es nicht das erste Mal, dass sie auf diese Weise ausbüchsen. Daher sind in regenmäßigen Abständen auch außerhalb der Weide noch kleine Zäune bis an den Fluss gezogen, die verhindern, dass sie sich allzu weit entfernen. Man sah richtig, wie sie allen Mut zusammen nahmen, um an uns vorbei zu rennen. In einem Sprint, der seines gleichen sucht schossen sie an uns vorbei und suchten nach dem Rettenden Eingang auf ihre Weide.

Ein wenig weiter stießen wir auf einen Erlebnispfad. Hier wurden einem die unterschiedlichen Bäume der Gegend erläutert und durch Lupen, die an Pfählen befestigt waren konnte man Blätter und ähnliches genau untersuchen.
Uns fiel auf, dass hier alle Picknicktische Rollstuhlgerecht sind. Die Tischplatte geht dann ein wenig über die Bank hinaus, so dass auch ein Rollstuhl daran Platz findet. Da fragt man sich, weshalb so etwas in Deutschland nicht verbreitet ist.

Fertig gefrühstückt bringen wir noch die letzten Kilometer hinter uns und stehen kurz darauf in Fort William. Den offiziellen Endpunkt des West Highlands Ways finden wir erst am Nachmittag. Bis dahin kaufen wir für die nächsten Tage Essen ein und besorgen Tim eine neue Isomatte. Die Ersatzisomatte des Herstellers hat es nicht rechtzeitig geschafft anzukommen und Tim kauft sich selbst eine neue. Leider hatte der Outdoorladen nur Größe L der Isomatte. Damit besitzt Tim nun eine Matratze, die jeden Quadratzentimeter seines Innenzeltes ausfüllt. Immerhin wird unser Hostel den Ersatz weiterschicken, damit wir sie doch noch erhalten.

Am Bahnhofscafé treffen wir wieder auf die beiden Damen, die wir die letzten Tage schon getroffen hatten. Sie sind in den letzten Zügen ihres Urlaubs und werden gleich die Fahrt auf „einer der schönsten Eisenbahnstrecken Europas“ genießen, um zurück nach Glasgow zu gelangen. Wir verabschieden uns und schauen nach unserer Unterkunft für heute.
Wir hatten ein Zimmer in einem Bunkhouse gebucht. Bei einem Bunkhouse handelt es sich meist um sehr einfach eingerichtete kleine Zimmer mit Gemeinschaftsbad und -küche zu relativ günstigen Preisen.
Unser „Bunkhouse“ (das Black Sheep Bunkhouse) ist zu unserem Erstaunen frisch renoviert, verfügt über eigene Dusche und Bad und das Zimmer ist auch erfrischend groß. Wir haben einen entspannten Plausch mit Sam, unserem mega sympathischen Host, der begeistert unseren Plänen für den Cape Wrath Trail lauscht.

Wir haben nun offiziell den „Not the West Highland Way“ beendet und ich bin immernoch baff von den letzten zehn Tagen Schottland. Schottland hat sich dabei von seiner besten Seite gezeigt. Es hat kein einziges Mal nennenswert geregnet und die meiste Zeit bin ich mit Shorts und leichtem Wanderhemd gelaufen. Für März ist das nicht der Alltag, wie wir vielerorts von Locals erfahren.

Ich hatte mir Schottland und die Highlands landschaftlich in etwa so vorgestellt, wie die anfänglichen Hügel durch die wir gewandert sind. Dass wir aber auch in gebirgiger, schroffer Landschaft unterwegs sind, haut mich noch immer um. Der West Highlands Way selbst ist fast überall ein breiter Schotterweg und hat daher nur selten etwas mit einem Wanderweg gemein. Es war daher schon, dass wir die Abstecher in Nebentaler und über Gipfel gemacht haben. Ich finde, der West Highlands Way eignet sich eigentlich auch super als Radtour.

Mit einer dicken Pizza im Magen schmiert Tim für morgen unser „kleines“ Frühstücksbaguette und wir schlafen bald darauf guter Dinge in unserem warmen und trockenen Bett ein. Die Vorfreude auf den Cape Wrath Trail ist schon groß.

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