Tag 47: Wüste – Check!

Meile 687.2 – 702.2

Heute war ein großer Tag. Deshalb sind wir wie jeden Tag um 5:30 Uhr aufgestanden. die ersten vier Meilen ging es entspannt bergab zu einem Bächlein. Das war sehr angenehm, da wir so nur zwei Liter Wasser mitnehmen mussten. Ich habe auf dem Weg ein Hörbuch über Körpersprache fertig gehört, man muss die kleinen grauen Zellen ja beweglich halten.

Am Bächlein haben wir gefrühstückt und Wasser aufgefüllt. Die restlichen acht Meilen sollte es relativ eben nach Kennedy Meadows gehen.

An diesem Bächlein begann ein unwirklicher Wechsel der Landschaften. Waren wir an Wüstenhängen hinab gegangen, werden gegen Mittag im Gebirge ankommen. Als erstes fielen mir die Fichten auf, die zunehmend im Tal versprenkelt standen. Außerdem änderte sich der Fels. Wo vorher rötlich bröckelnde Felsen zusehen waren tauchte nun zunehmend Granit auf.

Nach weiteren vier Meilen kamen wir an einen kleinen Fluss. Wir waren etwas perplex. Soviel Wasser hatten wir lange nicht gesehen. Ein weiteres Phänomen waren die Horseflies. Dabei handelt es sich um große, gelb schwarz gestreifte Fliegen, die beißen. Zum Glück sind sie so dick, dass man fühlen kann wenn sie landen.

Gegen Mittag hatten wir die zwölf Meilen des Tages geschafft und kamen am Ortsschild von Kennedy Meadows vorbei. Dies ist ein wichtiger Einschnitt unserer Reise.

Mit dem Erreichen von Kennedy Meadows lassen wir die Wüste hinter uns und stehen am Tor zur Sierra Nevada. Das bedeutet Wasser. Wasser im Überfluss. Wir werden nicht mehr gezwungen sein jeweils sechs Liter Wasser zu tragen. Das ist das beste an der Sierra. Daneben erwarten uns fabelhafte Ausblicke auf wunderschöne und gewaltige Natur. Außerdem erwartet uns Schnee, wir sind aber zuversichtlich, dass er rechtzeitig schmilzt.

Als wir, nach der Fotosession am Ortsschild, am General Store ankamen wurden wir vom traditionellen Applaus begrüßt. Ein paar Wanderer saßen auf der Terrasse und genossen einen der berühmt-berüchtigten Burger. Es gab sehr langsames Internet, der Verkaufswagen von 2footadventures stand vor der Tür (die selben wie in Warner Springs) und es gab eine phänomenale Hikerbox.

Aus der Hikerbox bekamen wir Haribo Gummibärchen und M&Ms, was ein unglaublicher Glücksfall ist. Dann haben wir neue Schuhe bei 2footadventures gekauft, die uns einen guten Rabatt gegeben haben. Es gestaltete sich aufgrund unserer gesperrten Kreditkarte als etwas komplizierter, aber wir haben es geschafft. Später hat uns Toronimore, eine kanadische Hikerin, die wir schon öfter gesehen haben, Bargeld gegeben. Wir haben es ihr via Paypal überwiesen, sodass wir jetzt wieder flüssig sind.

Später sind wir zur Konkurrenz gefahren und haben bei Grumpy Bears (Kneipe) bzw. Triple Crown Outfitters unser Zelt aufgeschlagen. Dort haben wir viele bekannte Gesichter getroffen und uns sehr wohl gefühlt. Wir haben einen Double Cheeseburger gegessen, der ganz gut war und hatten einen netten Abend mit den anderen Wanderern. Es hat sich auf jeden Fall eine kleine Community gebildet. Man kennt sich und hilft sich. Alle sehen inzwischen aus wie echte Thruhiker. Die Kerle bekommen Bärte, Frisuren sind nur fakultativ und alle sind braungebrannt bis dreckig (wird dann als hikertan bezeichnet).

Wir werden gut und lange schlafen, denn wir brauchen echt mal einen Tag Pause. Viele Grüße vom Tor zur Sierra!

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2 Kommentare

  1. Schön dass ihr mal wieder was hochladen konntet. Scheint ja wirklich es krasser Landschaftswechsel zu sein. Tim sieht auf dem Foto aus, als hätte er rosa Dumbo-Ohren. 😂 Nicht abheben!

    Liebe Grüße
    Petra

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