Statusupdate

Liebe Mitleser,
weil wir schon öfter gefragt wurden, wie es eigentlich weiter gegangen ist, möchte ich gerne ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, wir sind nämlich seit Oktober wieder in Deutschland und uns geht es sehr gut.

Der letzte Stand war unser erstes Video der Fahrradtour. Wir hatten vor, noch mehr Videos hochzuladen. Die Videos waren auch fertig, einzig unsere Internetverbindung war zu schlecht, weil wir auf Zeltplätzen irgendwo in der Pampa übernachtet haben. Dann hat Pauls Smartphone den Geist aufgegeben. Das war blöd für euch, weil ihr nicht in den Genuss der Videos gekommen seid, es war aber auch blöd für uns, weil wir nun wieder mit nur einem Handy unterwegs waren. Das war echt ein bisschen unpraktisch, so konnten wir nicht gleichzeitig Musik, Hörbücher oder Podcasts hören und hatten auch die gute Kamera verloren. Deshalb gibt es ab dem Zeitpunkt, an dem Pauls Smartphone ausfiel, nur noch ungeschnittene Videos in schlechterer Qualität.

Wir ließen uns jedoch nicht beirren und verfolgten weiter unser Ziel. Von Seattle nach New York City. Das klingt vielleicht ein bisschen bescheuert, vor allem wenn man bedenkt, dass wir nur sechs Wochen Zeit hatten, bis unser Flug von JFK nach Frankfurt abhob. Den hatten wir nämlich schon in San Francisco gebucht. Im Nachhinein denke ich, unser Ziel war vielleicht doch etwas hoch gegriffen. Uns waren die Größenverhältnisse dieses Landes schon einigermaßen klar geworden – also wir wussten es ist riesig – aber wer kann sich bitte unter 6000 km etwas vorstellen? Was ist der Unterschied verglichen mit 4000 oder 2000 km? Klar kann man ein paar Rechnungen anstellen, so nach dem Motto: 6000 km in 6 Wochen sind 1000 km pro Woche, entsprechen 142 km pro Tag. Aber wie viel können wir fahren? Wir hatten keine Ahnung und schätzten, dass wir das nach unserer Wanderzeit enspannt abstrampeln könnten. Man muss dazu sagen, dass wir noch nie eine Fahrradtour der besagten Länge gemacht hatten.

Wir fuhren los und orientierten uns am „Northern Tier“ der „Adventure Cycling Association“, die ein paar sehr lange Fahrradstrecken durch die USA zusammengestellt haben. Der Northern Tier läuft hauptsächlich auf kleinen Highways, die deutschen Landstraßen ähneln. – Sie sind nur meistens schnurgerade.

Zuerst fuhren wir von Seattle nach Norden, dann nach Osten ins Kaskaden-Gebirge hinein. Das Kaskaden-Gebirge ist sehr schön. Es gibt viele Nadelwälder und die Berge sind, verglichen mit der Sierra Nevada, steiler und die Täler enger, ein bisschen wie die Dolomiten. Wir haben zum Glück Joan getroffen, die uns einen sehr schönen Tag auf dem Diablo Lake in ihren Kajaks ermöglichte und uns am Abend mit ihrem Pickup die gut 30 Meilen zum Pass fuhr.

Danach hangelten wir uns an der US-Kanadischen-Grenze entlang. Wir sahen ein paar sehr schöne Dinge. Ein Highlight der gesamten Tour war definitiv Glacier-National-Park, der uns mit den gigantischen Tälern und Bergen sehr beeindruckt hat. Glacier-National-Park ist der nördliche Anteil der mittleren Gebirgskette der USA, zu der auch die Rocky-Mountains und Yellowstone-National-Park gehören. Wir sind auf der „Going-to-the-Sun-Road“ gefahren und haben die kontinentale Wasserscheide auf Logan Pass überquert

Dann sind wir ein gutes Stück mit dem Zug gefahren und haben damit die „Golden-Plains“ durchquert (Zug: East Glacier Village – Fargo). Wir hatten gemerkt, dass wir es, wenn wir die Radtour genießen möchten, nicht mehr in unserem Zeitfenster nach NYC schaffen würden. Außerdem war in diesem Jahr schon ein Radfahrer auf Highway 2 gestorben. Dort fahren große Wohnmobile und große Lastwagen, die Öl von den Fracking-Minen in North-Dakota abtransportieren.

Durch Minnesota sind wir wieder Rad gefahren und hatten eine tolle Zeit bei Ted. Es gab sogar teilweise Fahrradwege!!! Wir sind mit der Fähre über Lake Michigan gefahren. (Manitowoc – Ludington) Durch Michigan sind wir teilweise auf einer alten Eisenbahnstrecke gefahren, die zu einem Radweg umgebaut wurde. Dann sind wir in Port Huron, am Südzipfel des Lake Huron, nach Kanada übergesetzt und an Lake Erie entlang durch Ontario gefahren. An den Niagara Fällen sind wir zurück in die USA eingereist.

Den Rest unserer Reise fuhren wir am Eriekanal entlang. Das war sehr schön. Alleine schon, weil wir hier für eine längere Zeit Highways meiden konnten.

Dann haben wir in Albany (der Hauptstadt von New York State) beschlossen, die letzten uns bleibenden Tage bei unserem Cousin Lucas in Providence und in New York City zu verbringen.

Insgesamt hatten wir eine sehr schöne Zeit und haben viele tolle Menschen getroffen und super Dinge erlebt.

Die meiste Zeit haben wir Videos aufgenommen, die unsere Eindrücke noch etwas ausführlicher in Worte fassen und auf jeden Fall mehr Detail enthalten. Die restlichen Artikel werde ich noch schreiben und wir werden alles in nächster Zeit hochladen. Ich hoffe es war okay für euch, so lange zu warten. Ein paar Leute haben uns gefragt, ob es uns gut geht. Es geht uns hervorragend, das Leben hat uns nur sehr auf Trab gehalten und wir sind nicht dazu gekommen, etwas zu schreiben.

Wir wünschen allen ein sehr schönes Jahr 2020, einen guten Rutsch und hoffen, ihr habt eure Lieben um euch, um zu feiern! Haut rein, vielleicht hält das neue Jahr ja auch ein Abenteuer für euch bereit!

Viele Grüße auch von Paul,
Tim

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4 Kommentare

  1. Danke Tim! Schon lange keinen Blog mehr von Euch gelesen, so überraschend, als die Mail aufploppt und ihr nicht tausende von Kilometern entfernt seid, sondern du in den Niederlanden und Paul – selbst überrascht – neben mir auf der Couch. Es ist so toll, dass ihr diese Reise zu zweit unternommen habt. Sie wird euer Leben prägen. Danke für eure vielen Blogs – wir haben sie zum Teil sehnsüchtig erwartet.

  2. Cool, wieder von Euch zu hören! Haben zwischenzeitlich schon mehrfach Thomas im REWE getroffen und mitbekommen, dass Ihr wieder da seid – wohlbehalten. Um so schöner, das von Euch persönlich zu hören! Vielen Dank für Eure tollen Blogs, wir haben sie alle fasziniert gelesen und finden es toll, dass Ihr diesen Trip zusammen gemacht habt.
    Einen guten Start ins neue Jahr, liebe Grüße, Markus und Katja

  3. Liebe Grüße an Euch und alle Leserinnen und Leser!
    Wie witzig aus den Niederlanden etwas über Euch in Amerika auf Eurer Radtour im Sommer/Herbst zu lesen. Danke für die Eindrücke.
    Ein schönes Sylvester und ein gutes und gesundes neue Jahr 2020 wünschen Euch Roland und Monika Klingberg (Eli’s – Elli’s – Eltern🤗)

  4. War schön von Euch zu lesen und schön das Ihr wieder , gesund und gut nach Hause angekommen seid.
    Guten Rutsch und auf die Nächte Abenteuer !
    Eva 😁😉🥂

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