Tag 81: Sierra City, Packer Lake

Meile 1189.2 – 1207.3

Heute haben wir ein bisschen länger geschlafen, um den verlorenen Schlaf des Abends nachzuholen. Dann gab es wie die letzten Tage auch Haferflocken in heißer Schokolade mit Honigpops und Rosinen zum Frühstück.

Wir liefen bergab durch einen schönen Wald. Die Bäume hatten wie die letzten Tage auch eine knallgrüne Flechtenschicht an ihrer Rinde kleben, was dem Wald einen urwaldartigen Anstrich verlieh.

Nach ein paar Meilen kamen wir an einem Bach an eine Brücke, eine Abzweigung und ein Schild, das uns den Weg nach Sierra City wies. Wir folgten dem Pfad, der nach ca. 500 Metern leider an einer Fortstraße endete. Wir liefen auf der Forststraße durch einen großen Campingplatz des Forest Service. Überall standen Pickups und REI-Zelte. Die Picknicktische waren teilweiser mit großen mückendichten Pavillions geschützt und manche Bewohner schliefen noch.

Die Strecke in die Stadt zog sich und unsere Füße taten weh, als wir endlich ankamen. Die Bezeichnung „Stadt“ ist für Sierra City etwas übertrieben, es handelt sich eher um ein langgestrecktes Dorf, was fast ausschließlich an der Hauptstraße, Hwy 48, aufgereiht ist. Wir trafen Delux wieder und besorgten ein paar überteuerte Tortillas im General Store.

Dann aßen wir einen Burger. Wir hatten schon einiges über den „Gutbuster“ gelesen, waren jedoch beeindruckt von dem ein Pfund Burger. Der Koch tanzte zum Radio, als er uns die Burger briet und meinte er mag unsere Einstellungen um elf Uhr einen Burger zu essen. Der Burger war sehr gut.

Als wir uns im ortsansässige Coffeeshop niederließen frischte die Verkäuferin ihr Deutsch bei mir auf, sie hatte im Studium ein Semester in Heidelberg studiert. Wir nutzten den offenen Internetzugang um uns ein paar Hörbücher herunterzuladen und genossen unseren Chai-Tee. Außerdem trafen wir PJ und Potts wieder. Ein anderer Wanderer schenkte uns vier Cliffbars und ich verlor und gewann gegen einen alten Mann beim Vier-Gewinnt. Dann gab uns ein abgedrehter Typ einen Hitch in seinem VW-Bus und wir begannen den Aufstieg.

Der Weg führte bei drückender Mittagshitze in Serpentinen 1000 Höhenmeter bergauf. In der schwülen Luft kamen wir ganz schön ins schwitzen. Wir wurden mit einem Ausblick auf das Tal belohnt.
Als wir oben ankamen bemerkten wir, dass wir heute noch zu Packer Lake kommen. Dort fährt ein Freund von uns immer in den Urlaub hin. Jim kennt die Köchin der ansässigen Lodge und hat uns ein Essen spendiert. Zuversichtlich, dass wir selbst nach dem Gutbuster heute Abend wieder Hunger haben begannen wir den Abstieg.

Als wir gegen sechs Uhr am Packer Lake ankamen sind wir erstmal schwimmen gegangen, wir wollten Christa ja nicht die Gäste aus dem Restaurant jagen. Der See war, verglichen mit den Gebirgsseen, die wir gewohnt sind, sehr angenehm warm. Wir freundeten uns mit zwei Männern und einem Golden Retriever an, der sehr ausdauernd einen Ball aus dem See holte. Wenig später kamen ihre Frauen und eine Tochter mit Freundin von ihrem Spaziergang um den See zurück und wir wurden eingeladen ihnen doch heute Abend Gesellschaft zu leisten.

Als wir ausreichend getrocknet waren gingen wir um den See zum Restaurant, einem Blockhaus mit Veranda. Christa hatte uns schon erwartet und wir genossen das Essen. Es war sehr gemütlich und wirkte eher, als würde man bei ihr zu Hause zu Besuch sein. Es gab einen leckeren Salat, einen vorzüglichen Hühnchen-Gemüseauflauf im Teigmanntel, Mac ’n Cheese mit Käsekruste und Applecrumble bzw. Cookies mit Vanilleeis zum Nachtisch. Wir waren im Himmel, danke nochmal Jim!!! Zwischen den Gängen unterhielten wir uns sehr nett mit einem zukünftigen Pärchen am Nebentisch. Dann durften wir uns noch Gebäck für den nächsten Morgen aussuchen und quatschen noch ein bisschen. Schließlich gingen wir mit Nat und Mat, zwei PCTlern, die wir vorher noch nicht getroffen hatten zum Campingplatz, wo wir mit einem Marshmallow-Cracker-Schokoladensandwich und einem kalten Bier am Lagerfeuer empfangen wurden. Wir hatten noch einen sehr schönen Abend unterhielten uns und bekamen eine Führung durch den dreiachsigen, riesigen Wohnwagen mit ausfahrbaren Elementen und Garage. Dann schliefen wir unter dem Sternenhimmel ein. Wir glauben wir haben die ISS vorbeifliegen sehen. Es war ein verrückter, langer und schöner Tag.

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Ein Kommentar

  1. Wau da bekommt man ja richtig Hunger. wir waren gestern spontan auch bei Mc Donald mit unseren Mädels, aber die Burger von Mc Donald sehen da richtig langweilig aus, wenn man eure so anschaut und teuer sind sie auch noch. Viel Spaß weiterhin.

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