1/2 PCT – RÉSUMÉ
Meilen 0 – 1263.5
Nachdem ich und Paul die erste Hälfte des PCT gelaufen sind ist es an der Zeit ein paar zusammenfassende Worte zu schreiben.
Natur
Landschaftlich haben uns diese 1200 Meilen sehr beeindruckt. Es gibt den Spruch „Every day a postcard!“, der die Ausblicke des PCTs gegenüber anderen Fernwanderwegen abgrenzt. Ich kann diesen Spruch auf jeden Fall bestätigen, würde ihn jedoch etwas verändern: „Jeden Tag mindestens ein Postkarten-Ausblick!“
Die Wüste hat mich vor allem mit ihrem Leben überrascht. Ich hatte einen toten Ort erwartet. Einen Ort in dem alles ums Überleben kämpft. Weit gefehlt, die Wüste war voller Blumen und Tiere konnte man auch überall sehen. Durch die starken Regenfälle dieses Jahr wurde eine Blumenblüte ausgelöst, wir haben die Wüste also nicht im Normalzustand gesehen. Die Tierwelt zeigte all ihre Facetten. Wir konnten Kolibris, bunte Vögel, Skorpione, Bienen, Eidechsen, Schlangen, Kojoten, Kaninchen, Rehe, Squirrels und vieles mehr beobachten.
Menschen
In der Wüste begann unser Abenteuer und das Abenteuer unserer Mitwanderer. Wir haben in den letzten drei Monaten unzählige interessante Menschen kennengelernt. Alle hatten Geschichten zu erzählen. Die meisten Menschen waren sehr inspirierend trotzdem tauchen viele nicht im Blog auf, weil es einfach nicht immer gepasst hat und wir die Artikel ja auch irgendwie unterhaltsam schreiben wollten. Oft waren es die Unscheinbaren, die Supermarktkassiererinnen, Rentner und Kellner, die uns am meisten gezeigt haben was es heisst in diesem Land zu leben. Diesem von ethnischen Gruppen, politischen Ansichten und unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten gespaltenem Land. Ich hatte das Gefühl in der Wüste traten diese Unterschiede noch stärker zu Tage, was aber auch daran liegen kann, dass wir hier mehr Menschen getroffen haben.
Meine Mitwanderer haben mich überrascht, weil alle dieses Leuchten in den Augen hatten. Smalltalk wurde übersprungen und es konnte leidenschaftlich diskutiert werden, über Dinge, an die wir in der „normalen Welt“ keinen Gedanken verschwenden. Wer Rat brauchte konnte ihn bekommen, von allen und jedem. Ich denke wenn man eine Lebensentscheidung treffen möchte ist der Trail definitiv ein guter Anfang. Man trifft hier Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, die Zeit haben auch mal einen Tag nachzudenken und oft einen neuen Blickwinkel eröffnen können, wo man meint Bescheid zu wissen. Man kann sich hier Rat von Psychologen, Musikern, Rentnern, Wissenschaftlern, Soldaten, Studenten, Vätern und Müttern, Brüdern, Schwestern und Freunden holen, die alle zusammen Mittagspause machen. Jeder stinkt und alle sind offen und ehrlich. Ich meine, wo findet man so etwas im normalen Leben?
An der Wüste sind mir auch die Trailangel in Erinnerung geblieben. Eine Selbstlosigkeit, die ich immer noch nicht ganz verstehe, aber sehr bewundere.
Wasser
Wasser hat mich beeindruckt. Im Prinzip hat Wasser uns im Griff gehabt. Vom Anfang bis jetzt. In der Wüste haben wir unsere Tagesdistanzen anhand der Wasserquellen geplant. Die Entscheidung wieviel Wasser man von einer Quelle mitnimmt ist anspruchsvoller, als man denkt. Wasser ist nämlich schwer. Genauer: ein Liter Wasser wiegt ein Kilogramm, oder ungefähr zwei Pfund, ein Konzept, das vielen Amerikanern neu war. Es lebe das metrische System 😉 Wenn man mehr Wasser mitnimmt wird man langsamer, weil der Rucksack schwerer wird und man trinkt mehr. Seht ihr den Teufelskreis?
Auch in der Sierra hat Wasser eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Zuallererst in seiner festen Form. Als Schnee und Eis hat es unsere Tagesdistanzen vorgegeben. Manche Pässe konnten nur Nachts, oder am frühen Morgen bestiegen werden. Der beeindruckendere Part kam dem flüssigen Element jedoch bei Flussquerungen zu. Es war ziemlich überwältigend, was Wasser für Kräfte entwickeln kann. Manch einem hat es den Boden unter den Füßen weggezogen.
In der schneebedeckten Highsierra machte der Schnee diesen Teil der Wanderung zu etwas ganz Besonderem. Zwischendurch hatten wir Ausblicke, schneebedeckte Gipfel soweit das Auge reicht. Unglaublich und etwas, das es vielleicht nicht mehr lange geben wird. Es beeindruckt mich, dass unsere Kinder und Enkel diese Anblicke nicht mehr genießen werden können. Ich bin froh, dass wir in einem Jahr mit überdurchschnittlich viel Schnee unterwegs waren, er machte diesen Teil unserer Tour zu meinem persönlichem Highlight.
Ansonsten hat uns die Sierra mit ihren gigantisch breiten Tälern, schönen Bäumen, Blumen, Blicken und Seen umgehauen. Ein bisschen haben wir glaube ich geschafft in den Bildern einzufangen, aber bei Gerüchen und Geräuschen hatten wir keine Chance. Durch eine Blumenwiese zu gehen, nachdem man ein paar Stunden im Wald unterwegs war ist ein Erlebnis. Man riecht den Duft der Blumen, hört das summen der Insekten, das knattern der Zirkaden, spürt wie sich der Boden verändert, die Sonne auf dem Gesicht. Wenn ich auf dem PCT eine Sache gelernt habe, so ist es die Wertschätzung für die kleinen Dinge. Wir leben im Alltag und nehmen vieles für selbstverständlich, was eigentlich ganz und gar nicht selbstverständlich ist. Ich hoffe ich werde mir diese Einsicht bewahren können und nicht allzu schnell wieder abstumpfen.
Wir sind klein
Eine andere Erkenntnis ist, wie klein wir sind. Es ist beeindruckend unter einem Sternenhimmel zu liegen und sich klein zu fühlen, doch ich spreche hier nicht von irgendwelchen philosophischen Gedankenspielen. Die Natur hat Kraft und wir sind ihr ausgeliefert. Wir können versuchen uns notdürftig zu schützen, ob es ein Zelt ist, oder ein Haus. Schlussendlich ist es der Versuch etwas aus unserem Leben auszugrenzen, das eigentlich Teil davon sein sollte. Anders herum formuliert: wir sollten Teil der Natur sein und drücken uns vor unserer Verantwortung. Menschen haben diesen Wanderweg unter enormem Aufwand und entgegen allen Widrigkeiten gebaut. Es hat Jahrzehnte gedauert und er ist immer noch nicht fertig. Sie haben die Berge so gut es ging gezähmt und doch beherrschen die Berge den Trail und nicht andersherum. Es ist beeindruckend mit dem Gedanken zu spielen nicht das mächtigste Tier zu sein. Als Europäer ist man nicht mehr gewohnt mit der Möglichkeit zu rechnen, das ein Bär oder eine Klapperschlange auftaucht und man um sein Leben fürchten muss. Diese Tiere sollten uns eigentlich überlegen sein, doch wir zerstören langfristig ihre Lebensräume, rotten sie aus und viele von uns bemerken es nicht einmal.
Wir hoffen ihr hattet Spaß daran uns bei diesem kleinen Abenteuer über die Schulter zu schauen und seid nicht zu enttäuscht, dass wir den PCT hier beenden. Wenn ihr wissen wollt wie es weiter gegangen wäre könnt ihr ja auf einem der zahlreichen anderen Blogs weiterlesen, hier wäre eine Liste. Aber Kopf hoch, unser Abenteuer geht ja weiter und ich glaube jetzt geht es erst richtig los 😉
Was wir machen? Nun die USA sind groß. Wir wollten sie von Süden nach Norden durchwandern. Da wir jedoch keine Lust hatten uns zu hetzen und es langweilig wurde, haben wir beschlossen etwas anderes zu machen. Wir werden versuchen mit dem Fahrrad von Seattle zur Ostküste zu fahren. Das ist zumindest der Plan, was daraus wird, werden wir sehen, aber ein Abenteuer wird es bestimmt.

Danke für viele Eindrücke und Fotos!
Eure zusammenfassenden Worte spiegeln viele Eindrücke, die Ihr erleben durftet ganz gut wieder – wie ich finde. Ich stelle es mir auch sehr beeindruckend vor, so Vieles zu sehen, zu erwandern und damit ‚mit allen Sinnen‘ zu erleben.
Dabei beeindrucken mich auch immer wieder die vielen Begegnungen mit den verschiedensten Menschen die Ihr täglich habt und die auf diesem Weg sehr besonders und häufig besonders zugewandt sind (waren😉)
Alles wird sicher lange in Euren und -da ihr uns teilhaben lasst- auch ein bisschen in unseren Gedanken bleiben. Danke dafür.
Es ist gut ein Gespür für – auch dass ohne zu philosophisch zu werden – unseren ‚Stand‘ als Menschen auf diesem Planeten zu bekommen. So können wir bewusster werden in unserem Handeln.
Euch weiter eine gute Zeit mit vielen schönen Momenten und guter Gesundheit!
Ich wünsche Euch dann auch gute Wege zurück in „unsere Zivilisation“. Auch sie kann auf ihre Art wüst oder blühend sein.
Herzliche Grüße von der Weser
Monika Kli
Ich freue mich auf die Fortsetzung auf zwei Rädern und hoffe, Deine Hand, Paul, macht Euch keinen Strich durch die Rechnung. Und dann freue ich mich auf Euren Fotoabend, wenn Ihr zurück seid! Ihr werdet hier ganz schön vermisst.
Hallo ihr zwei,
ein bisschen schade ist es schon, den PCT nicht mehr weiter durch eure Augen und Erlebnisse kennen zu lernen, aber ihr habt euch sicher aus guten Gründen so entschieden. Ich stelle es mir sehr schwer vor, sich jeden Tag zu solchen körperlichen Höchstleistungen zu motivieren, wenn man das Gefühl hat, das Beste schon gesehen und erlebt zu haben.
Schreibt ihr hier denn jetzt dann weiter über die Radtour, oder ist „ÜberBerge“ damit abgeschlossen?
Wie auch immer, ich wünsche euch noch eine gute Zeit und im Oktober eine glückliche Rückkehr!
Hey Petra,
vielen Dank für die netten Worte! Wir haben schon mehrere Wochen an Beiträgen fertig gehabt, jedoch ist Pauls Handy vor ein paar Tagen leider erneut abgeschmiert. Dort sind die Meisten der Beiträge drauf gewesen und daher wird, bis wir wieder in Deutschland sind leider nichts regelmäßiges erscheinen. Wir werden uns überlegen, wie wir es nun am Besten gestalten. Auf jeden Fall wird aber früher oder später etwas kommen 😉
Hallo Ihr zwei,
ich beneide Euch um die Reise, die vielen Eindrücke und Erfahrungen! Vielen Dank für die Geschichten!
Sven
Schade, dass der PCT für euch jetzt vorbei ist. Es hat echt Spaß gemacht eure Blogeinträge zu lesen😊. Ich find die Idee eine Fahrradtour anzuschließen super, wie swid ihr da drauf gekommen?
Viel Spaß noch und Grüße vom Niederrhein😊
Herzlichen Glückwunsch lieber Tim zum Geburtstag. Weiterhin eine gute, eindrucksvolle u. gesunde Reise u. natürlich auch ganz liebe Grüße an Paul von Jutta u. Hans aus dem Quellenweg
Vielen Dank 🙂
Liebe Grüße aus Albany, NY auch von Paul!!!