Tag 30: Von Moron bis Star Trek

Meile 436.1 – 454.5/Hiker Heaven

Wir hatten gut unter freiem Himmel geschlafen und gingen um sechs Uhr beschwingt los. Der Blick ins Tal war unglaublich schön. Die Berge zeichneten Schatten in die Landschaft und wir konnten das Terrain der nächsten Tage bewundern.

Nach acht Meilen kamen wir an den Highway, von welchem wir nach Acton zum Einkaufen trampen wollten. An dem Wanderparkplatz wollten wir ein zweites Frühstück machen, als uns ein bärtiger Mann um die sechzig ansprach, ob wir nicht ein bisschen Trailmagic haben wollen. Er servierte uns lauwarme Pfannkuchen mit Sirup und zwei kleine Fleischbällchen. Dann stellte sich raus, dass er aus Schweden kommt. Er sagte uns wir sollten nicht in Acton einkaufen, sondern 10 Meilen in die andere Richtung bei einem Vons. Dann diskutierten wir über Prostitution und Todesstrafe, er hatte ein paar sehr rechte Meinungen, auch zu Flüchtlingen in Europa und Schweden. Wir haben uns dort nicht sehr wohl gefühlt, deshalb sind wir ziemlich zeitig zum nebenan gelegenen Campingplaz gegangen, haben ein Eis gegessen (Danke nochmal an alle, die uns Geld für Eis gegeben haben :-)), das Wifi genutzt und uns ein Uber (ein privates Taxi) nach Acton bestellt. In Acton haben wir ein Päckchen von der Post geholt. Wir haben uns eine gute, kleine Digitalkamera bestellt, damit hier wieder bessere Fotos auftauchen 😉 Das kaputte Smartphone haben wir weggeschickt.

Dann sind wir mit einem Uber 20 Meilen nach Westen gefahren und haben bei Vons eingekauft. Inzwischen haben wir eine Vons-Card und haben so gut ein Drittel gespart. Man kann bei Vons viele Kombi-Deals machen und bekommt oft Mengenrabatt. Zum Mittagessen gab es frische Bagels mit Frischkäse. Dann machten wir uns daran, unseren Essenshaufen zu verteilen. 

Nach einigen Minuten, mittlerweile sah unser Tisch aus wie ein Schlachtfeld, sprach mich ein älterer Herr an, was wir denn da tun würden. Ich habe ihm vom PCT erzählt, worauf er meinte ich solle doch wieder in das Loch zurück kriechen, aus dem ich gekommen sei, ich würde Amerikaner bestehlen, ich sei ein Arschloch, ein Vollidiot und hätte kein Gehirn. Ich war etwas verdattert, habe mich dann höflich bedankt und er ist zeternd von Dannen gezogen. Später haben wir uns von einer sehr netten, jungen Uberfahrerin zurück zum Trail bringen lassen und sind noch zehn Meilen nach Hiker Heaven gewandert.

Obwohl wir erst um halb fünf losgelaufen sind war es immernoch sehr heiß und der Schweiß strömte. Es ging erst steil mehrere hundert Höhenmeter bergauf. Dabei liefen wir durch hohes, ausgetrocknetes Gras. Plötzlich lag eine Klapperschlange im Gras neben dem Trail. Ich hatte sie durch das Gras nicht gesehen. Als sie anfing zu rasseln habe ich mich extrem erschreckt und bin ein paar Meter gesprungen. In meiner Erinnerung war die Schlange so dick wie ein Unterarm, aber Paul meint sie war dünner. Als das Adrenalin etwas nachließ habe ich einen Müsliriegel gegen die weichen Knie gegessen. Ich glaube das war die bis jetzt gefährlichste Situation der Wanderung, die Schlange lag wirklich direkt neben dem Weg. Kurz darauf war der Akku unserer neuen Kamera leer und wir mussten uns den Rest des Tages wieder mit Tims Handy begnügen.

Nachdem wir den Highway durch einen Tunnel unterquert hatten, liefen wir in den Vasquez Rocks National Area Park – Wie ne Landschaft wie aus einer anderen Welt. Durch die San Andreas Spalte wurden hier Gesteinsschichten in interessanten Winkeln an die Oberflächen gedrückt. Wahrscheinlich hat jeder, der das hier liest, schon einmal diese Felsen bewundert. Durch ihre Lage nahe LAs sind sie in zahlreichen Hollywood Blockbustern zu sehen gewesen. Beispiele sind: Planet der Affen, Star Trek oder Wild Wild West.
Als wir nach Aqua Dulce kamen hatten wir Glück und wurden von einem Trailangel nach Hiker Heaven mitgenommen. Was das ist, ist Teil des nächsten Blogposts, der Name trifft es aber schon ganz gut.

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